Der ausgewählte Dokfilm: „Das kalte Eisen“

Die ökumenische Jugend-Filmempfehlungsgruppe mit Bernadette, Karoline, Jan und Antonia begründen ihre Entscheidung wie folgt: „Inwiefern können Regeln und Verbote die Menschheit wirklich vor Tragödien bewahren? Können wir verhindern, dass Menschen grausame Dinge tun? Am 11. März 2009 tötet ein 17-Jähriger 15 andere Menschen und sich selbst beim Amoklauf von Winnenden. Elf weitere verletzt er. Er hinterlässt Fassungslosigkeit, trauernde Angehörige und viele unbeantwortete Fragen. Hätte der Amoklauf verhindert werden können?

Wäre der Junge nicht durch seinen Vater, der als Sportschütze Waffen besaß, so leicht an eine herangekommen – wäre dann nichts passiert? Können wir durch ein Verbot von Schusswaffen so grausame Taten verhindern… oder liegt der Ursprung viel tiefer? Thomas Lauterbach bekam die Geschehnisse in Baden-Württemberg aus nächster Nähe zu spüren, ohne selbst direkt betroffen zu sein. In seinem Dokumentarfilm beschäftigt er sich mit all den Fragen, die in den Köpfen der Menschen zurückbleiben – und präsentiert Antworten, die vielschichtiger und unterschiedlicher nicht sein könnten. Obwohl der Amoklauf in Winnenden die Grundlage für das Thema des Dokumentarfilmes bildet, geht es nicht um den Amoklauf an sich, sondern um den Umgang damit, um die große Diskussion, die daraus entstanden ist. Lauterbach lässt Menschen verschiedenster Ansichten zu Wort kommen und darunter ist kein einziger, dessen Gedanken, Gefühle oder Ideen unverständlich dargestellt werden. Der Dokumentarfilm zeigt sehr emotionale Akteure, ist aber sachlich und stellt Personen und Situationen ungeschönt, unvoreingenommen und ohne zu dramatisieren dar. Er steckt voller Argumente und Thesen, wirkt aber dennoch nie parteiisch. Ohne in ein bestimmtes Meinungsbild drängen zu wollen, zeigt der Film verschiedenste Sichtweisen auf und schafft es erstaunlich gut, für jede einzelne Verständnis zu wecken. Selten wird so objektiv über ein kontroverses Thema berichtet. Schusswaffen verbieten – ja oder nein? Thomas Lauterbachs Film regt zum Nachdenken an. Man kann sich anhand des Dokumentarfilmes eine eigene Meinung bilden, lernt aber auch, andere Standpunkte zu verstehen. Der Regisseur hat damit bewiesen, dass es sich lohnt, Dinge differenziert zu betrachten und nicht stur auf einer Meinung zu beharren, ohne sich mit den Gedanken und Gefühlen anderer auseinanderzusetzen. Die Thematik ist dauerhaft aktuell und der Dokumentarfilm liefert unbezahlbare Eindrücke für eine nicht enden wollende politische Debatte, mit der sich jeder einmal beschäftigt haben sollte. Der Dokumentarfilm „Das kalte Eisen“ wird deshalb von der ökumenischen Filmempfehlungsgruppe (katholische Dekanatsjugend und evangelisches Jugendpfarramt) ausgezeichnet, weil er hängen bleibt – und das weit über die Debatte über Schusswaffen hinaus. Man kann aus ihm lernen, sich austauschen, diskutieren oder einfach nur zuhören. Vor allem aber nimmt man auch eine Frage mit, die man sich in Zukunft immer wieder stellen kann: Muss immer das die Lösung sein, was im ersten Moment als richtig erscheint? Am 13. März 2014 wird der Dokumentarfilm im Rahmen des Ökumenischen Filmabends im Cineding gezeigt. Der Regisseur Thomas Lauterbach wird dazu eingeladen und wird jedem und jeder Interessierten Rede und Antwort stehen können.“


							

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.